Warum junge Kurden in Hannover demonstrieren

Demonstration Newroz-Fest in Hannover

Demonstration anlässlich des Newroz-Fests in Hannover. Foto: Daniel Düsterdiek

Am Samstag haben in Hannovers Innenstadt 11.000 DemonstrantInnen für einen eigenständigen kurdischen Staat demonstriert. Mohammed ist für die Demonstration aus Nürnberg angereist. Er erklärt: „Die Kurden feiern am 21. März Newroz, das Neujahrsfest. Das nutzen wir dazu, um darauf aufmerksam zu machen, dass wir ein eigenes Land und Freiheit brauchen. Derzeit sind wir auf vier Länder aufgeteilt: Die Türkei, Syrien, den Iran und den Irak.“ Zu der Demonstration hatten unter anderem die Partei Die Linke und die Grüne Jugend aufgerufen.

Demonstrant Mohammed mit einer Flagge der kurdischen Streitkräfte YPG. Foto: Daniel Düsterdiek

Wogegen wurde demonstriert?

Anlass für die Proteste war neben dem Neujahrsfest auch die türkische Offensive auf die kurdische Stadt Afrin in Syrien. Die türkische Armee habe große Teile des Stadtzentrums eingenommen, berichten türkische Medien Sonntag Morgen. Gleichzeitig vermelden kurdische Beobachter, die Hälfte der Bewohner habe die Stadt als Flüchtlinge verlassen. Demonstrantin Leyla sagt: „Kurdische Städte werden täglich bombadiert, täglich sterben Menschen. Wir können da nicht zusehen, auch wenn wir hier in Deutschland in Sicherheit sind.“ Oberbürgermeister Stefan Schostock sprach in einer Pressemittelung der Stadt Hannover sein Mitgefühl aus: „Ich teile die Sorge und das Entsetzen um die leidende Zivilbevölkerung in den unterschiedlichen Krisenregionen“, sagte er.

Warum protestieren KurdInnen in Deutschland?

Demonstrantin Dilsa betont die Meinungsfreiheit in Deutschland. „In der Türkei wäre es nicht möglich, auf die Straße zu gehen und seine Meinung zu sagen. Aber in Deutschland ist das möglich, und deswegen ist es auch gut, dass man das macht.“  Zusätzlich  hoffen viele der Demonstranten, dass europäische Staaten wie Deutschland stärker Stellung zum türkischen Umgang mit kurdischen Bürgern beziehen. „Eine Demonstration in Deutschland kann helfen, da Deutschland mit der Türkei verbündet ist. Würde dieses Bündnis aufgekündigt werden, hätte die türkische Politik nicht mehr so viel Rückhalt“, erklärt Leyla.

Wie verlief die Demo?

Auch deutsche Parteien riefen zur Teilnahme auf. Foto: Daniel Düsterdiek

Polizeisprecherin Kathrin Pfeiffer bilanziert:Im Großen und Ganzen ist es friedlich geblieben.“ Es habe allerdings zwei Festnahmen aufgrund des Zeigens verbotener Symbole gegeben. Oberbürgermeister Schostok  dankte am Sonntag den anwesenden Polizisten für den Einsatz.

Dennoch kommt aus Reihen der Demonstranten Kritik: „Ich habe mitbekommen, dass einer von der Polizei aggressiv aus der Menge rausgezogen wurde und auf den Boden gedrückt wurde – das hätte man meiner Meinung nach schlauer machen können“, erzählt Dilsa. Obwohl auf dem Opernplatz mehrere Flaggen mit dem Konterfei des PKK-Führers Abdullah Öcalan zu sehen waren, sah die Polizei dort von Festnahmen und Beschlagnahmungen ab.

Flaggen mit dem Konterfei des PKK-Führers Öcalan. Foto: Daniel Düsterdiek

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