44 Cannabispflanzen in der Einzimmerwohnung – Drei Jahre Bewährung und Geldstrafe

Im Amtsgericht Hannover verhandelten die Staatsanwaltschaft und der Verteidiger über die Strafe des Plantagenbesitzers.

Im Amtsgericht Hannover verhandelten die Staatsanwaltschaft und der Verteidiger über die Strafe des Plantagenbesitzers.

Er baute im Wohnzimmer seiner Wohnung 44 Cannabispflanzen an: Ein 39-Jähriger musste sich heute vor dem Amtsgericht Hannover für eine Drogenplantage in seinen eigenen vier Wänden verantworten.

Schokolade essen statt Cannabis anbauen

„Warum können Sie nicht einfach Schokolade essen, statt so komische Sachen anzupflanzen?“, fragte die Richterin den Angeklagten. Er saß neben seinem Verteidiger in einem Saal des Amtsgerichts Hannover. Ihm wurde vorgeworfen, sich des Besitzes und des Handelns von Betäubungsmitteln „in nicht geringer Menge“ schuldig gemacht zu haben.

In seiner Wohnung baute der Angeklagte Cannabis an. Geschäfte konnte der Angeklagte mit den Drogen noch nicht machen, das verhinderte die Polizei durch die Entdeckung der Plantage samt schon eingetüteter Rauschmittel. Durch eine andere Straftat wurden Einsatzkräfte auf den Angeklagten aufmerksam. Sie klingelten an seiner Wohnungstür und bemerkten schon dort Cannabisgeruch. Die Polizisten durchsuchten die Wohnung und entdeckten die Cannabisplantage. Sie beschlagnahmten 44 Cannabispflanzen. Bei erfolgreicher Ernte hätten diese Pflanzen Ertrag von rund 1.100 Gramm des Rauschmittels erbracht. Außerdem fanden die Beamten 71,5 Gramm bereits geerntetes Cannabis. Einer der Polizisten sagte vor Gericht aus, die gesamte Wohnung hätte wie eine Plantage ausgesehen.

„Große Schnapsidee“

Die Richterin sagt, Cannabis anzubauen, sei „eine große Schnapsidee“ des Angeklagten gewesen. Der Verteidiger versucht, die Gründe zu erklären: Sein Mandant sei arbeitslos gewesen und hätte Schulden gehabt. Im Drogenverkauf habe er eine Möglichkeit gesehen, aus den Schulden herauszukommen und wieder Geld zu verdienen. Seit einiger Zeit habe sich der Angeklagte von seiner kriminellen Vergangenheit abgewandt. Er habe eine Ausbildung und einen zukunftssicheren Job gefunden.

Der Mann zeigte sich reumütig. Per Anwalt ließ er sagen, er wolle künftig keine Straftaten mehr begehen. Die Vergangenheit des Angeklagten ist nicht unbelastet. Er wurde unter anderem bereits für Diebstahl, Handeltreibens mit Betäubungsmitteln oder Besitz einer Schusswaffe verurteilt. Der Verteidiger sagt dazu, diese Taten lägen lange zurück. Die letzte Verurteilung erhielt sein Mandant 2010 für Trunkenheit am Steuer.

Für recht ausgiebige Diskussionen vor Gericht sorgte ein Detail: Bei der Wohnungsdurchsuchung stellten die Beamten Teleskopschlagstöcke sicher. Ob es ein oder zwei waren, ist nicht sicher. Die Aussagen der Polizisten dazu sind widersprüchlich. Auch ist nicht klar, wie zugänglich die Waffen waren. Das ist bei der Bestimmung des Strafmaßes relevant. Diese Fragen konnten nicht genau geklärt werden, daher wurden die Schlagstöcke bei der Strafe nur geringfügig beachtet.

Der Angeklagte wurde zu einer dreijährigen Bewährungsstrafe verurteilt, die Verteidigung akzeptiert die Entscheidung. Zusätzlich muss der Angeklagte eine Strafe von 2.000 Euro (in Raten) an die Organisation KrAss UnARTig zahlen. Dieser Verein bietet Jugendlichen in Hannover Nordstadt neue Perspektiven.

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