Arbeitslose Jugendliche zahlen für Bus und Bahn monatlich bis zu 60€. Die SPD will das ändern

Günstiges Ticket, aber nicht für jeden: Junge Arbeitslose können sich die GVH-SparCard nicht kaufen. Foto: Daniel Düsterdiek

  • Die Regions-SPD will prüfen, ob arbeitslose Jugendliche in den Berechtigtenkreis des 15-Euro-Ticket GVH SparCard aufgenommen werden können.
  • Linken-Politiker Michael Fleischmann hält eine Integration von sozial Schwachen in das günstige Ticket für längst überfällig.
  • Jeden Monat kaufen zwischen 22.000 und 24.000 SchülerInnen und Freiwillige das günstige Ticket für alle GVH-Zonen.

Seit Anfang des Jahres können sich 130.000 Jugendliche an den Automaten der GVH die GVH SparCard für 15€ kaufen – bisher haben das auch jeden Monat mindestens 22.000 SchülerInnen, FSJlerInnen und FÖJlerInnen getan. Nicht darunter: Die knapp 3.700 jugendlichen Arbeitslosen zwischen 15 und 25 Jahren, die in der Region Hannover für Bus und Bahn monatlich zwischen 35€ und 63€ zahlen müssen. Das will die SPD jetzt ändern, indem sie prüft, ob man junge Menschen ohne Arbeit in den Berechtigtenkreis des Jugendtickets integriert. Adis Ahmetovic leitet in der SPD die Arbeitsgruppe „Zukunftskonzept Mobilität“ und findet, dass arbeitslose Jugendliche zum gleichen Preis fahren sollten wie Schüler: „Diese Menschen benötigen besondere Unterstützung und es ist unsere Aufgabe, sie mobil zu machen.“

Wollen arbeitslose Jugendliche den Kauf der GVH SparCard erlauben: SPD-Regionspolitiker bei einem Pressegespräch. Foto: Daniel Düsterdiek

Linke: Jugendliche Arbeitslose integrieren

Auch die CDU, in der Regionsversammlung der Koalitionspartner der Sozialdemokraten, zeigt sich für Gespräche offen.  „Als wir damals die Jugendnetzcard beschlossen haben, war allen klar, dass der in der ursprünglichen Fassung vorgelegte Benutzerkreis noch nicht der endgültige sein wird“, berichtet  Johannes Knauf, der Fraktionsgeschäftsführer der CDU Region Hannover. Eine Entscheidung will die CDU-Fraktion erst treffen, wenn ihr alle relevanten Daten und Fakten vorliegen – vor allem, wie viel öffentliche Gelder für die Maßnahme aufgebracht werden müssten.

Hartz IV-EmpfängerInnen erhalten monatlich knapp 27€ für Mobilität – das deckt in der Region Hannover derzeit noch nicht einmal den Preis für eine Monatsfahrkarte für eine Zone.  Aus der Fraktion Die Linke kamen bereits in Vergangenheit Forderungen, arbeitslosen Jugendliche den Kauf des Jugendtickets zu ermöglichen. „Es kann und darf nicht sein, dass arbeitslose Jugendliche deutlich mehr für Busse und Bahnen zahlen müssen als Schüler/innen aus gut situierten Elternhäusern“, erklärt Regionsabgeordneter Michael Fleischmann die Position seiner Partei. Er findet: Die hannoversche Politik müsse sozial Schwachen das Gefühl geben, dass sie den PolitikerInnen nicht egal seien.

Das will auch die SPD erreichen, die Jugendarbeitslosigkeit in Zukunft zum Schwerpunktthema machen möchte. Ein Teil dessen soll auch günstigere Mobilität für die Bedürftigen sein. Deshalb prüfe man in der Region nun, ob man Fördermittel für die Integration von Arbeitslosen in den Berechtigtenkreis der GVH SparCard erhalten könne, berichtet Ahmetovic (SPD). Linken-Politiker Fleischmann begrüßt den Vorstoß, fordert aber auch, dass die Sozialdemokraten jetzt „Nägel mit Köpfen“ machen müssten statt nur leere Versprechen.

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Zufrieden mit Verkaufszahlen der GVH SparCard

Alles in allem zeigen sich sozialdemokratische Regionspolitiker und -politikerinnen zufrieden mit den Absatzzahlen. Im Vergleich zur alten, teureren SparCard kaufen nun 7.000 Personen mehr das vergünstigte Ticket. Silke Gardlo, Vorsitzende der SPD-Regionsfraktion, hebt vor allem die Geschwindigkeit hervor, mit der der Beschluss der 15-Euro-Fahrkarte in die Realität umgesetzt wurde. „Erst Anfang März 2017 in der Regionsversammlung wurde der Beschluss für das Sparticket getroffen, und im Januar gab es dieses dann schon zu kaufen. Schneller geht’s kaum!“ Federführend bei der Umsetzung war die Jugendorganisation der SPD. „Wir Jusos sind mega stolz auf dieses Projekt“, sagt Brian Baatzsch, der Vizevorsitzender der Jusos im Unterbezirk Hannover ist.

Werbung für GVH SparCard

Werbung für die GVH SparCard an einem Ticketautomaten der Üstra. Foto: Daniel Düsterdiek

Dennoch sehen die PolitikerInnen noch Luft nach oben: Bis Ende 2019 sollen (statt bisher 30%) die Hälfte der Berechtigten die Karte kaufen. Dafür will die Regions-SPD zusammen mit den Jusos jetzt eine noch weitläufigere Werbekampagne starten – beginnend mit einem Werbevideo für das Jugendticket. Ein besonderer Ansporn für das Pilotprojekt sei auch das Interesse, welches man aus anderen Städten für das Projekt erhält, sagt Adis Ahmetovic: „Selbst die Stadt Braunschweig hat sich bei uns gemeldet und Interesse an dem Projekt bekundet. Und auch in Berlin gibt es einen ähnlichen Antrag auf dem SPD-Parteitag.“

Absage an weitere Vergünstigungen in naher Zukunft

Wie geht es weiter mit Bus und Bahn? SPD ruft zu Zukunftsdialog auf. Foto: Valentin Dreher

Der Idee, in naher Zukunft auch für alle anderen Bürger den Nahverkehr stark zu vergünstigen, erteilten die RegionspolitikerInnen eine Absage. Der Vorschlag eines Tickets für 365€ pro Jahr kam Anfang dieses Jahres im Rat der Stadt Hannover auf – kurz nach der Einführung der GVH SparCard. „Ich hätte mir gewünscht, dass alle Ebenen sich darauf ausrichten, die SparCard zu einem Erfolgsprojekt zu machen, anstatt eine neue Diskussion zu starten“, kommentiert Bundestagsabgeordneter Matthias Miersch (SPD) die Bestrebungen. Sein Parteifreund Adis Ahmetovic pflichtet ihm bei: „Wir dürfen die Üstra jetzt nicht sofort mit weiteren Vergünstigungen überfordern. Was haben wir schon von überfüllten S-Bahnen, Bussen und Straßenbahnen?“ Vollkommen ausschließen wollen die Politiker solche Ideen aber nicht – ganz im Gegenteil. Um in der Region Hannover ein zukunftssicheres Verkehrskonzept zu entwerfen, ruft die SPD alle Bürger und Bürgerinnen zu einem Dialog auf. In den nächsten Monaten will die Partei bei Veranstaltungen in allen Gemeinden der Region Hannover und im Internet mit HannoveranerInnen darüber diskutieren, wie es mit Bus und Bahn in Hannover weitergehen soll.

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