GVH-Jugendticket: Gut, günstig – und gerecht?

GVH-SparCard

Die GVH-SparCard macht Bus- und Bahnfahren günstiger. Foto: Daniel Düsterdiek

  • Mobilität für 15 Euro im Monat: Seit etwa sechs Wochen können SchülerInnen  und FSJlerInnen deutlich günstiger durch alle vier GVH-Zonen fahren. Möglich macht es die GVH-SparCard, die auch Jugend-NetzCard genannt wird.
  • Nun hat sich er Kreis der Berechtigten erweitert – trotzdem kritisieren Grüne und Linke, es gäbe Gerechtigkeitslücken.
Lisa van der Zanden

Lisa van der Zanden ist Juso-Vorsitzende im Unterbezirk Region Hannover. Foto: Daniel Düsterdiek

Im März 2017 setzte die Große Koalition die Idee des günstigen Tickets in der Regionsversammlung um. Treibende Kraft hinter dem Vorschlag waren die Jusos. Die jungen SPDlerInnen sind ziemlich stolz, das günstige Jugendticket durchgebracht zu haben. So ließen die Sozialdemokraten Jutebeutel mit der Aufschrift „Freifahrt für die Jugend-NetzCard“ drucken. Juso-Unterbezirksvorsitzende Lisa van der Zanden zeigt sich zufrieden: „Ich bekomme auch aus meinem persönlichen Umfeld viel positives Feedback von Leuten, die die Karte gekauft haben“. SchülerInnen sollten die Möglichkeit haben, sich unabhängig von der Größe des Geldbeutels in der ganzen Stadt bewegen zu können, sagt die Jungpolitikerin. Das scheint anzukommen: Allein in der ersten Woche des Jahres hätten 5.000  Menschen die Karte gekauft.

Entstanden ist das Konzept der günstigen Fahrkarte für HannoveranerInnen bis 22 Jahre vor der Kommunalwahl 2016. „Es gab ein Treffen der Jusos aus der Region Hannover“, sagt van der Zanden. „Dabei haben wir diskutiert, was die zentrale Forderung der SPD zum Kommunalwahlkampf sein könnte“. Die Jusos  hätten sich besonders dafür eingesetzt, das Ticket schnell einzuführen. Mit Erfolg: Der Koalitionspartner CDU gab nach und die SparCard wurde im Koalitionsvertrag verankert.

Ein Beitrag geteilt von ÜSTRA (@uestra) am

Die Üstra zeigt auf Instagram, wie man die GVH SparCard kaufen kann.

Günstige Mobilität – aber nicht für alle

Vorstand der Grünen Jugend

„Mogelpackung“: Kritik aus dem Vorstand der Grünen Jugend. Foto: Grüne Jugend

Kritik kommt aus Reihen der Grünen Jugend, für die das Angebot nicht weit genug geht. „Gerade für die große Gruppe der Auszubildenden gilt sie nicht und verwandelt sich damit in eine Mogelpackung“, erklärt Sprecherin Mariel Reichard. Azubis müssen für die gleiche Leistung etwa 80 Euro im Monat zahlen. Auch Betroffene zeigen sich enttäuscht: Ein Auszubildender erzählt uns, er wünsche sich eine  günstigere Karte.  „Der Preisunterschied zwischen der SparCard und der MobilCard Ausbildung ist schon krass.“ Die Fraktion Die Linke  macht zudem in einem Änderungsantrag darauf aufmerksam, dass auch arbeitslose Jugendliche nicht von der 15-Euro-Karte profitieren. „Es darf nicht sein, dass die sozial Schwachen leer ausgehen“, heißt es in dem Antrag.

Lisa van der Zanden zeigt sich von der Kritik unbeeindruckt. „Jetzt darüber zu diskutieren, welche Gruppen diese Karte nicht oder noch nicht kaufen können, lenkt von der Tatsache ab, dass wir mit der Jugend-NetzCard etwas sehr Gutes eingeführt haben“, kontert die Unterbezirksvorsitzende der Jusos. Dennoch müsse die Ausbildungskarte stark vergünstig werden. Laut van der Zanden sollten vor allem Azubis, die nicht viel verdienen, davon profitieren können: „Es ist jedem klar, dass Azubis bei VW mehr verdienen als zum Beispiel Azubis im Friseurberuf.“

Hilft die Karten an der richtigen Stelle?

Hilft die neue Karte also an einer Stelle, wo Unterstützung gar nicht dringend gebraucht wird? Immerhin leben viele SchülerInnen noch zuhause, erhalten meist finanzielle Unterstützung von ihren Eltern. Dieser These widerspricht  Lisa van der Zanden vehement: „Es gibt Kinderarmut in Deutschland und somit auch viele Eltern, die das nicht bezahlen können“, so die Jungpolitikerin.  Sie meint: „Manchmal entscheidet so ein Ticketpreis sogar darüber, ob ein Kind auf die nähere Realschule oder das weiter entfernte Gymnasium geschickt wird.“ Allerdings: Bis zur 10. Klasse erhalten SchülerInnen, die weiter als zwei Kilometer von ihrer Schule entfernt wohnen, ein kostenloses Ticket von der GVH.

Die Kritik der Opposition kommt teilweise bei den Koalitionspartnern CDU und SPD an. Zusammen haben beide Parteien Anfang des Monats  beschlossen, auch  Bundesfreiwilligendienstleistende ( BFD)und FÖJlerInnen mit in das Ticket einzubeziehen. Damit hebt die Koalition die Ungleichberechtigung zwischen  FSJlerInnen, BFDlerInnen sowie   FÖJlerInnen auf.  Freiwillige in allen drei Programmen würden einen wertvollen sozialen Dienst leisten.

Haltestelle auf dem Weg zum kostenlosen Nahverkehr?

Werbung für GVH SparCard

Werbung für die GVH SparCard an einem Ticketautomaten der Üstra. Foto: Daniel Düsterdiek

In einem Punkt sind sich Jusos und Grüne Jugend aber einig: Die GVH SparCard soll erst der Anfang sein. Lisa van der Zanden hat große Pläne: „Die Vision hinter der Jugendkarte war schon immer: Wir wollen einen kostenlosen ÖPNV.“ Der Grünen Jugend geht es dabei vor allem um den Umweltschutz: „Der ÖPNV in Hannover muss noch mehr an Attraktivität gewinnen, damit das Auto auch mal zu Hause stehen gelassen wird“, erklärt Mariel Reichard. Die Politik solle keinerlei Kosten scheuen, um Mobilität für alle zugänglich zu machen.

Noch scheint die Umsetzung dieser Vorhaben in ferner Zukunft zu liegen. Aber: Die Jugendorganisationen wollen sich ihrem Ziel in kleinen Schritten nähern. Jeder dieser Schritte kostet aber auch mehr Steuergeld. Das gibt selbst van der Zanden zu.

Folgst du uns schon auf Facebook? Bekomme Hannoticker-Nachrichten direkt in deinen Newsfeed!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.