Giftige Luft: Braucht Hannover ein Diesel-Fahrverbot?

Verkehr am Aegidientorplatz

Verkehrsknotenpunkt Aegidientorplatz: Bald ohne Dieselfahrzeuge? Foto: Daniel Düsterdiek

Asthma, Bronchitis, Entzündung der Atemwege: Das in Diesel-Abgasen enthaltene Stickstoffdioxid hat eine Reihe negativer Effekte auf die Gesundheit des Menschen. Und in Hannovers Luft gibt es zuviel davon: Zumindest an viel befahrenen Straßen hat jede der fünf Messstationen in Hannover eine Überschreitung des Grenzwertes für den Jahresmittelwert gemessen. Am Dienstag entscheiden die Richter des Bundesverwaltungsgerichts, ob Diesel-Fahrverbote in Städten ausgesprochen werden können, um die Stickstoffkonzentration zu senken.

Vorteile eines Diesel-Fahrverbotes:

  • Der Stickstoffdioxidwert von 40 μg/m³ (Mikrogramm pro Kubikmeter) wird in Hannover  um bis zu 20% überschritten (siehe Karte). Vor allem sind daran Diesel-Abgase schuld: Zu 89% werden die Stickstoffoxide in deutscher Luft von Dieselmotoren ausgestoßen. Deshalb sehen Experten ein Diesel-Fahrverbot als die effektivste Methode an, um die Werte zu senken.
  • Jedes Jahr sterben in Deutschland 6.000 bis 8.000 Menschen an Herzkreislauferkrankungen, die auf Stickstoffdioxide zurückzuführen sind. Das hat das Bundesumweltministerium in einer neuen Studie bekannt gegeben. Laut dem Ministerium können bereits Werte von 10 μg/m³  bei dauerhafter Einwirkung tödlich sein, was einem Viertel des Grenzwertes entspricht.
  • Deutschland droht eine Klage der EU-Kommission, sollten die Bundesregierung und die Kommunen nicht in nächster Zeit Maßnahmen umsetzen, die die Luftverschmutzung stark senken. Deutschland verstößt mit den Überschreitungen gegen das „Recht auf saubere Luft“, dass jedem EU-Bürger zugesprochen wird.

Nachteile eines Diesel-Fahrverbots:

  • Ein Verbot von älteren Diesel-Fahrzeugen in Innenstädten, wie es mit der „Blauen Plakette“ angedacht ist, würde den Wert von Diesel-Fahrzeugen deutlich senken. Gebrauchtwagen, die in Innenstädten nicht mehr zugelassen werden, ließen sich wohl kaum noch zum gleichen Preis weiterverkaufen. Doch Dieselfahrer, die einen Wagen mit dem neusten Standard EURO 6 haben, können aufatmen: Für sie werden Fahrverbote wohl erst einmal nicht gelten. Das sind alle Autos, die nach 2014 verkauft wurden.
  • Auch Händler, die die Innenstadt beliefern, bangen um ihr Geschäft: Sie fürchten, mit ihren Transportern aus der Innenstadt ausgeschlossen zu werden, da diese zu großen Teilen mit Dieselmotoren laufen.
  • In Hannover ist die Überschreitung des Grenzwertes vergleichsweise gering. Möglicherweise würden auch weniger harte Maßnahmen helfen, den Grenzwert zu erreichen – etwa ein attraktiverer öffentlicher Nahverkehr oder mehr Anreize zum Fahrradfahren.
  • Paradox: Der maximale Richtwert für Innenräume liegt bei 60 μg/m³ und damit deutlich über dem Grenzwert für die Straße. Dieser Wert müsste dringend angepasst werden, wenn man Diesel-Fahrverbote glaubwürdig einführen möchte. An einigen Arbeitsplätzen aus Industrie und Handwerk  ist der Grenzwert noch einmal um ein Vielfaches höher.

 

5 thoughts on “Giftige Luft: Braucht Hannover ein Diesel-Fahrverbot?”

  1. Michael Dreyer schreibt:

    Bei der Lage der Messstationen sind die Werte kein Wunder. Bei der Hanomag in einer Straßenschlucht, dazu noch Tempo 40, wo im niedrigeren Gang, als bei 50 im hohen Gang, mehr Schadstoffe ausgeschüttet werden, ist politisch scheinbar so gewollt. Der kleine Mann auf der Strasse, der sein Auto zur Arbeit braucht, wird mal wieder der zahlende Dumme sein.

    1. hannoticker schreibt:

      Hallo Herr Dreyer,
      danke für Ihren Kommentar. Wie sie richtig dargestellt haben, handelt es sich bei den Messstationen um „verkehrsnahe Stationen“. Diese sind natürlich auch bewusst in die Nähe von Verkehrsknotenpunkten gesetzt. Das liegt daran, dass der Grenzwert von 40 μg/m³ im Jahresmittel nirgendwo in Deutschland überschritten werden soll – ob verkehrsnah oder nicht.
      Wir können ihre Kritik aber dennoch nachvollziehen.
      Viele Grüße,
      Valentin von Hannoticker

  2. Tilman Kluge schreibt:

    Ihre Aussage hinsichtlich einer Stickstoffkonzentration ist grober Unfug. Bereits aktuell beträgt die Stickstoffkonzentration in Hannovers Luft ca. 78 %, ohne daß das gesundheitsschäflich wäre.

    1. hannoticker schreibt:

      Hallo Herr Kluge,
      in der Tat beträgt die Stickstoffkonzentration in der Luft etwa 78%. Bei Stickstoffdioxid handelt es sich allerdings um eine Verbindung mit Oxid – es handelt sich also keineswegs um das gleiche Gas. Während Stickstoff offensichtlich keine negativen Effekte hat, ist das mit Stickstoffdioxid anders.
      Viele Grüße,
      Valentin von Hannoticker

  3. Tilman Kluge schreibt:

    Die Stickstoffkonzentration in der Luft von Hannover beträgt schon jetzt ca. 78 %. Warum sollte man sie, wie Sie schreiben, senken wollen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.